Ratgeber Abnehmen mit Lerneffekt

Emotionales Essen

Wenn Gefühle uns essen lassen, obwohl wir keinen Hunger haben

 

Man spricht häufig von emotionalem Essen. Aber was versteht man darunter eigentlich?

 

Beim emotionalen Essen entsteht der Impuls zu essen nicht oder nicht ausschließlich aus körperlichem Hunger. Stattdessen wird das Essen durch einen emotionalen Zustand ausgelöst. Dabei denken wir meistens zuerst an negative Gefühle – und tatsächlich spielen Frust, Kummer, Stress, Ärger, Einsamkeit oder Angst beim emotionalen Essen eine besonders große Rolle.

 

Doch emotionales Essen kann auch durch positive Emotionen entstehen. Auch Freude, Euphorie, ein Erfolg oder das Bedürfnis, etwas zu feiern, können dazu führen, dass wir zusätzlich essen, obwohl wir eigentlich keinen körperlichen Hunger haben.

 

Für unsere Energiebilanz macht der Grund zunächst keinen Unterschied: Zusätzliche Kalorien bleiben zusätzliche Kalorien – egal, ob wir sie aus Frust oder aus Freude essen. Wenn dieses zusätzliche Essen regelmäßig dazu beiträgt, dass wir mehr Energie aufnehmen als wir verbrauchen, kann es langfristig zur Gewichtszunahme beitragen.

 

Bei „Abnehmen mit Lerneffekt“ interessiert uns deshalb in diesem Zusammenhang vor allem das emotionale Essen, das zusätzlich entsteht und das wir ohne den emotionalen Auslöser nicht gegessen hätten. Es gehört damit zu dem, was wir als überflüssiges Essen bezeichnen. 

 

Und wenn man einmal genauer hinschaut, wie viele unterschiedliche Gefühle und Situationen uns zum Essen bringen können, wird deutlich, wie groß dieser Bereich tatsächlich sein kann.

Emotionales Essen kann zum Beispiel sein:

  • Essen aus Kummer
  • Essen bei Liebeskummer
  • Essen aus Traurigkeit
  • Essen aus Einsamkeit
  • Essen bei sozialer Isolation
  • Essen, weil man sich ausgeschlossen fühlt
  • Essen nach Zurückweisung
  • Essen nach einer Kränkung
  • Essen aus Enttäuschung
  • Essen aus Frust
  • Essen aus Ärger
  • Essen aus Wut
  • Essen bei Stress
  • Essen bei Überforderung
  • Essen bei innerer Anspannung
  • Essen bei Nervosität
  • Essen bei innerer Unruhe
  • Essen bei Angst
  • Essen bei Sorgen
  • Essen bei Unsicherheit
  • Essen aus Erschöpfung
  • Essen aus innerer Leere
  • Essen aus Langeweile
  • Essen zur Ablenkung
  • Essen zur Beruhigung
  • Essen als Trost
  • Essen zum Stressabbau
  • Essen zur Entspannung
  • Essen aus Selbstmitleid
  • Essen nach einem Konflikt oder Streit
  • Essen nach einem Misserfolg
  • Essen, weil man sich etwas Gutes tun möchte
  • Essen als Belohnung nach einer Belastung
  • Essen, um ein unangenehmes Gefühl zu verdrängen
  • Essen, um sich kurzzeitig besser zu fühlen
  • Essen aus Freude
  • Essen aus Euphorie
  • Essen aus Aufregung
  • Essen aus Vorfreude
  • Essen nach einem Erfolg
  • Essen, um einen Erfolg zu feiern
  • Essen als Belohnung für etwas Erreichtes

Ganz schön viele Situationen, in denen Essen entstehen kann, obwohl körperlicher Hunger gar nicht der eigentliche Grund dafür ist.

Und genau das macht emotionales Essen für das Abnehmen so interessant. Denn während wir körperlichen Hunger meistens recht gut mit Essen in Verbindung bringen, ist uns der Zusammenhang zwischen einem Gefühl und dem anschließenden Essen nicht immer bewusst. Manchmal liegen zwischen dem eigentlichen emotionalen Auslöser und dem Griff zum Essen nur wenige Minuten – und irgendwann kann daraus ein ganz selbstverständliches Verhaltensmuster werden.

 

Emotionales Essen erkennen – und selbst entscheiden

 

Genau hier setzt „Abnehmen mit Lerneffekt“ an. Es geht nicht darum, emotionales Essen grundsätzlich zu verbieten oder für jede Situation eine neue Regel aufzustellen. Vielmehr sollst du lernen zu erkennen, wann eine Emotion dein Essverhalten beeinflusst und wann dadurch zusätzliches Essen entsteht.

Denn erst wenn du bemerkst, was gerade passiert, kannst du bewusst entscheiden, wie du damit umgehen möchtest.

 

Vielleicht hast du gerade etwas Großartiges erlebt, bist glücklich und möchtest diesen Moment feiern. Wenn du dann entscheidest: „Heute gönne ich mir ein großes Stück Torte – oder vielleicht sogar die halbe Torte, weil ich das jetzt einfach möchte“, dann ist das deine bewusste Entscheidung.

Vielleicht bemerkst du aber auch an einem anderen Tag: „Eigentlich bin ich gerade enttäuscht und frustriert – und deshalb möchte ich jetzt die Chipstüte aufmachen.“ Auch dann entscheidest du selbst. Du kannst sie essen. Du kannst sie aber genauso gut liegen lassen. Der entscheidende Unterschied ist: Du erkennst den Zusammenhang.

 

Bei „Abnehmen mit Lerneffekt“ geht es deshalb nicht darum, dir vorzuschreiben, was du in solchen Situationen tun musst. Während der Beobachtungen und Experimente lernst du dein eigenes Essverhalten immer besser kennen. Du erkennst, welche Gefühle bei dir Essen auslösen können und in welchen Situationen dadurch überflüssige Kalorien entstehen.

 

Das Ziel ist nicht, jedes emotionale Essen aus deinem Leben zu verbannen. Das Ziel ist, aus einem möglicherweise automatischen Verhalten zunehmend eine bewusste Entscheidung zu machen.

Denn wenn du weißt, warum du gerade essen möchtest, kannst du selbst entscheiden, ob es dir diese zusätzlichen Kalorien in diesem Moment wert sind.

 

Und genau das ist ein wesentlicher Teil von „Abnehmen mit Lerneffekt“: Nicht jemand anderes entscheidet für dich, was du essen darfst. Du lernst dein eigenes Essverhalten so gut kennen, dass du zunehmend selbst entscheiden kannst, was du beibehalten möchtest – und worauf du in Zukunft lieber verzichtest.

 

Was sagt die Wissenschaft?


Seit 2026 wird „Emotional Eating“ in der medizinischen Literatur als eigener MeSH-Begriff (Medical Subject Heading) geführt. Die US-amerikanische National Library of Medicine beschreibt damit Essen aufgrund von psychischem Stress, Angst, Langeweile oder anderen negativen Emotionen anstelle von körperlichem Hunger. Neuere Forschung betrachtet teilweise zusätzlich Essen aufgrund positiver Emotionen.

 

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