Ratgeber Abnehmen mit Lerneffekt
An der Ursache ansetzen
Warum Abnehmen beim eigenen Essverhalten beginnen sollte
Weil genau hier der Schlüssel zum Problem liegt. Wenn ein Problem schon lange besteht und dauerhaft verändert werden soll, reicht es häufig nicht aus, nur seine sichtbaren Folgen zu behandeln. Entscheidend ist die Frage: Warum ist dieses Problem überhaupt entstanden – und wodurch wird es bis heute aufrechterhalten?
Genau diese Frage ist beim Abnehmen entscheidend. Und die möglichen Antworten darauf müssen nicht schon vor dem ersten verlorenen Kilo feststehen. Im Gegenteil: Bei Abnehmen mit Lerneffekt wird das Abnehmen selbst zur Entdeckungsreise. Durch verschiedene Essexperimente wird das eigene Essverhalten gezielt beobachtet und verändert.
Dabei kann sichtbar werden, welche persönlichen Gewohnheiten, Situationen und Verhaltensmuster dazu beitragen, dass mehr gegessen wird, als eigentlich benötigt wird.
Das Prinzip kennen wir auch aus der Medizin. Schmerzen beispielsweise sind zunächst ein Symptom. Ein Schmerzmittel kann dieses Symptom lindern – und das kann durchaus sinnvoll sein. Trotzdem stellt sich bei wiederkehrenden oder anhaltenden Schmerzen die Frage, warum sie überhaupt auftreten. Liegt eine Entzündung vor? Eine Verletzung? Eine Fehlbelastung? Oder etwas völlig anderes? Soll das zugrunde liegende Problem behandelt werden, muss – soweit möglich – seine Ursache erkannt werden.
Und was ist die Ursache beim Übergewicht?
Auch hier ist die Antwort nicht bei jedem Menschen dieselbe. Eine Diät kann zunächst dafür sorgen, dass weniger Energie aufgenommen wird und das Gewicht sinkt. Damit wissen wir aber noch lange nicht, warum dieser Mensch vorher regelmäßig mehr Energie aufgenommen hat, als er verbraucht hat.
Bei einem Menschen entstehen zusätzliche Kalorien möglicherweise durch häufiges Snacken. Ein anderer isst große Portionen. Jemand anderes isst regelmäßig aus Langeweile, Stress oder Gewohnheit. Wieder andere Menschen haben bestimmte Situationen fest mit Essen verbunden oder nehmen nebenbei Kalorien auf, die ihnen nicht einmal besonderen Genuss bringen.
Und genau deshalb kann dieselbe Abnehmregel für zwei Menschen eine vollkommen unterschiedliche Bedeutung haben.
Wer einfach einen vorgegebenen Ernährungsplan übernimmt, verändert zunächst sein Essen. Er muss damit aber noch nicht erkannt haben, welche persönlichen Verhaltensmuster zu seiner bisherigen Energieaufnahme beigetragen haben.
Genau dort setzt „Abnehmen mit Lerneffekt“ an
Bei Abnehmen mit Lerneffekt steht deshalb das eigene Essverhalten im Mittelpunkt. Während des Konzeptes werden unterschiedliche Essexperimente durchgeführt. Dabei wird beobachtet und anhand der Beobachtungen verändert: Was passiert bei mir? Was verändert meinen Hunger? Wann esse ich, obwohl ich eigentlich keinen Hunger habe? Welche Gewohnheiten fallen mir plötzlich auf? Welche Kalorien könnte ich einsparen, ohne dass mir etwas fehlt?
So können während des Abnehmens nach und nach mögliche Ursachen und aufrechterhaltende Faktoren des eigenen Essverhaltens sichtbar werden. Selbstbeobachtung und individualisierte Verhaltensänderungen sind auch in der wissenschaftlichen Gewichtsbehandlung wichtige Elemente.
Das Entscheidende ist deshalb nicht die Frage: „Welche Diät muss ich einhalten?“ Sondern: „Was muss sich an meinem eigenen Essverhalten verändern?“
Überflüssiges Essen erkennen
Das Ziel besteht dabei nicht darin, möglichst viele Lebensmittel zu verbieten. Viel interessanter ist die Frage, wo im eigenen Alltag Kalorien entstehen, die man eigentlich gar nicht vermissen würde.
Genau hier kommt das überflüssige Essen ins Spiel: Essen aus Gewohnheit oder in bestimmten Situationen, das weder zur notwendigen Versorgung beiträgt noch wirklich als Genuss erlebt wird. Gelingt es, einen Teil davon zu erkennen und dauerhaft wegzulassen, sinkt die Energieaufnahme – während für das Essen, das man wirklich genießen möchte, weiterhin Platz bleiben kann.
So wird Abnehmen nicht nur zu einer Phase, in der Gewicht verloren wird. Es wird zu einer Phase, in der man herausfindet, warum man bisher so gegessen hat – und lernt, das eigene Essverhalten künftig selbst zu steuern.